Hardtail oder Fully — und was eine billige Federung anrichtet
Vollfederung ist kein Qualitätsmerkmal. Unterhalb einer gewissen Preisklasse ist sie ein Nachteil.
Zuletzt überarbeitet: 12. August 2026

Eine Federung hat zwei Aufgaben, die oft verwechselt werden. Sie soll Stöße schlucken — und sie soll das Rad danach kontrolliert zurückführen, statt es wegspringen zu lassen. Das Erste erledigt eine Feder, das Zweite eine Dämpfung. Genau die fehlt in sehr günstigen Gabeln.
Was eine Federgabel wirklich können muss
Eine brauchbare Gabel lässt sich auf das Fahrergewicht einstellen und hat eine Zugstufe, die das Ausfedern bremst. Fehlt beides, entsteht der typische Effekt günstiger Räder: Die Gabel taucht beim Bremsen weg und schnellt danach zurück. Auf Asphalt kostet das nur Kraft, im Gelände Kontrolle.
Warum ein günstiges Fully selten aufgeht
Ein Fully braucht zusätzlich einen Dämpfer, einen steiferen Rahmen und Lager im Hinterbau, die verschleißen. Bei gleichem Budget muss dieses Geld irgendwo eingespart werden — meist an Bremse, Schaltung und Laufrädern, also genau an den Teilen, die Sicherheit und Haltbarkeit bestimmen. Ein Hardtail derselben Preisklasse ist deshalb in aller Regel das solidere Rad.
Wann ein Fully die richtige Entscheidung ist
Sobald die Abfahrten regelmäßig länger und ruppiger werden, gewinnt der Hinterbau: Das Hinterrad bleibt am Boden, überträgt weiter Antriebs- und Bremskraft und der Körper ermüdet langsamer. Wer das fährt, merkt den Unterschied nach der zweiten Abfahrt, nicht auf dem Parkplatz.
Lockout, Sag, Zugstufe
Ein Lockout sperrt die Federung für Asphalt und Anstiege. Der Sag ist das Einfedern unter dem stehenden Fahrer und beträgt je nach Bauform grob ein Viertel bis ein Drittel des Federwegs — er ist die Grundeinstellung, die viele nie vornehmen. Die Zugstufe regelt, wie schnell die Federung zurückkommt.
Häufige Fragen
- Ist eine gefederte Sattelstütze eine Alternative?
- Für Komfort auf Schotter und Kopfsteinpflaster ja, für Kontrolle im Gelände nein. Sie entkoppelt den Fahrer, nicht das Laufrad — der Reifen bekommt dadurch keinen besseren Bodenkontakt.
- Was bedeutet „Vollfederung“ bei sehr günstigen Rädern?
- Meist eine ungedämpfte Stahlfeder im Hinterbau. Sie erhöht das Gewicht und wippt beim Treten, ohne die Kontrolle zu verbessern. Im Zweifel ist die starre Variante das bessere Rad.